Schönwald. Ein
ganz hoher Geburtstag steht dem Musikverein Kurkapelle Schönwald
in diesem Jahr ins Haus: Volle 175 Jahre ist der
Traditionsverein alt – und kein bisschen leise.
Im Gegenteil,
denn im Jubiläumsjahr präsentieren sich die rund 70 aktiven
Musiker mit einem Frauenanteil von rund 40 Prozent in bester (Spiel-)Laune.
Was sie am Wochenende eindrucksvoll beim ersten Teil ihrer
Jubiläumsfeiern, dem Festbankett unter Beweis stellten.
Bernd Hettich
begrüßte als Vorsitzender zahlreiche Prominenz, darunter den
Landtagsabgeordneten Karl Rombach und den Ersten Landesbeamten
Joachim Gwinner, aber auch den »immer gern gesehenen Gast
Pfarrer Andres Treuer«. Natürlich hatte es sich auch
Heinrich Glunz, der Präsident des Blasmusikverbands, nicht
nehmen lassen, bei diesem Festakt dabei zu sein. Dazu waren
Vertreter befreundeter Vereine, aber auch der komplette
Gemeinderat des Kurorts anwesend.
Nach
fulminanter Eröffnung durch die Jubiläumskapelle unter der
bewährten Leitung von Gerhard Feiertag mit »Ross Roy« «
und »Avocados« übernahm Bürgermeister Hans-Georg Schmidt
den Platz am Mikro. Er freute sich, dass der Musikverein auch
heute noch zahlreiche Auftritte meistere. »Und Gerhard
Feiertag wäre in jeder Stadt längst Stadtmusikdirektor. Umso
mehr freue ich mich, dass dieser Mann in nunmehr 29 Jahren
eine so großartige Kapelle formen konnte und uns so lange
ehrenamtlich treu geblieben ist.«
Auch die
Ausbilder arbeiteten im Ehrenamt, so der Chef des Hauses.
Allen gemeinsam sei es gelungen, einen Musikverein zu bilden,
der es bis zu den höchsten Weihen der Blasmusik geschafft
habe. Dazu sei aber auch eine ganz besondere Jugendarbeit nötig.
Da stimme bei einem Jugendorchester mit derzeit 33
Jungmusikern auch der Unterbau. Fast drei Jahre bereite der
Verein nun das Jubiläum vor, und es sollte schon etwas ganz
Besonderes werden. Dabei galt der Dank des Schultes auch den
Grundstückseigentümern, die nicht einmal gezuckt hätten,
als man das Wiesengrundstück für das große Festzelt beinahe
umgegraben habe.
Nach dem »Florentiner
Marsch« kam die große Zeit des Musikers Edgar Zeifang: Auf
wunderbare Weise ehrte der Verein die Verstorbenen der
vergangenen 25 Jahre. Jeder Einzelne wurde mit Bild
vorgestellt, dazu spielte eine Bläsergruppe »Ich hatt´
einen Kameraden«. In einer Rückschau stellte Zeifang dann
den Verein näher vor. Insgesamt 23 Vorsitzende habe der
Verein erlebt, alle vereine die Hoffnung, dass Bernd Hettich
das »Mindesthaltbarkeitsdatum« von acht Jahren deutlich überlebe.
Zwar sei allgemein der Dirigentenverschleiß geringer gewesen.
Allerdings schaffte es der Durchschnitt da auch nur neun Jahre
lang. Die Ausnahme dabei sei der 17. und derzeit aktive
Dirigent. Gerhard Feiertag halte es bei den Musikern bereits
seit 29 Jahren aus. »Und er ist noch immer voller Ideen und
Tatendrang«, machte Zeifang den Anwesenden deutlich. Er
motiviere die Musiker stets aufs Neue.
Zum großen
Finale erklingt das
Schönwald (hjk).
Eine besondere Attraktion beim Festakt des Musikvereins
bildete die »Modenschau«, ein Abriss über viele Jahrzehnte,
dabei wurden die verschiedenen Uniformen auf dem »Laufsteg«
vorgeführt. Tatsächlich gab es lange keine Uniform für
Damen – die durften erst 1972 an die Instrumente. Und schließlich
die Präsentation der nunmehr 18 Tonträger, die die Musiker
mittlerweile aufgenommen haben.
Im Anschluss an
diese Präsentation kam die Patenkapelle, die Kurkapelle
Schonach unter der Leitung von Berthold Berberich. Zunächst
gab es als Klassiker der Blasmusik den Marsch »Mein Regiment«,
bevor es in die nordische Sagenwelt ging: »Fate of the Gods«,
die Götterdämmerung, großartig interpretiert durch die
Paten. Dann enterten die Piraten der Karibik den Saal,
zumindest musikalisch.
Optimal
aufgestellt zeige sich der Musikverein in seinem Jubiläumsjahr,
meinte dann der Landtagsabgeordnete Karl Rombach. Sie alle
seien geeint durch das »Gemeinschaftserlebnis des
Musizierens. Er sei sich sicher, dass sie auch ihr Fest
meisterten wie eine musikalische Herausforderung. Der Erste
Landesbeamte Joachim Gwinner hatte einen Wappenteller des
Landkreises dabei, für »eines der besten Blasmusikorchester
des Landes«. Als Kulturträger ersten Ranges sei der Verein
Aushängeschild der Kurgemeinde Schönwald ebenso wie für den
Landkreis. »Ihr Orchester ist eine Perle in der Krone der
Musikvereine; halten sie die Flamme der Begeisterung bei Ihren
Musikern am Brennen«, forderte er die Vereinsführung auf.
Der Verbandspräsident
Heinrich Glunz sprach von »Superlativen«, die der Verein zu
bieten habe. Ein jugendliches Durchschnittsalter von 26 Jahren
spreche für einen langen Fortbestand, »allerdings in einer
gewachsenen Altersstruktur«, bei der die Erfahrung der Älteren
gepaart sei mit dem Elan der Jugend. Glunz erinnerte daran,
dass Gerhard Feiertag mit gerade mal 19 Jahren erstmals den
Taktstock in Händen gehabt habe. »Heute präsentiert sich
die Kapelle in beneidenswerter Verfassung und in bestechender
musikalischer Form, musiziert auf allerhöchsten Niveau«,
erkannte er neidlos an. Es sei ein faszinierendes
Klangerlebnis, die Kurkapelle zu erleben.
Joachim Müller
vom Patenverein rief das Gründungsjahr 1835 mit verschiedenen
Höhepunkten in Erinnerung. Für die Schönwälder Vereine
trat Alexander Zimmermann ans Mikro: »Wenn wir euch Musiker
brauchen, habe ich noch niemals ein Nein gehört«, machte er
auf eine weitere Eigenschaft des Jubelvereins aufmerksam. Alle
Vereine, versprach er, würden die Kurkapelle bei ihrem Jubiläum
unterstützen.
Den
Dankesworten des Vorsitzenden, die in diesem Falle auch dem
bewirtenden Skiverein galten, folgte in ganz großartiges
Ende: Die beiden Orchester musizierten gemeinsam, zunächst
das wunderbare Stück »Highland Cathedral«, um dann mit dem
»Hoch Badnerland« einen passend feierlichen Abschluss zu
finden.